Die Rätsel der Sphinx

Drei Sphingen ließen sich auf den Felsen der Wüste nieder und unterhielten sich in ihrer schwingenden Art, die dem Atmen des Windes gleicht und der Stille sehr nahe ist.
"Wir kennen ihn."
"Ja, aber das Rätsel unserer Schwester ist alt:
Am Morgen ist es vierfüßig, am Mittag zweifüßig, am Abend dreifüßig. Von allen Geschöpfen wechselt es als einziges die Zahl seiner Füße. Aber wenn es die meisten Füße bewegt, hat es die wenigste Kraft und Schnelligkeit."
"Doch er ist immer noch derselbe."
"Er hat Augen und sieht nicht."
"Er hat Ohren, und hört nicht."
"Er hat Hände, und begreift nicht."

"Er wühlt in der Erde, und ist kein Wurm."
"Er schwimmt, und ist kein Fisch."
"Er fliegt und ist kein Vogel."
"Er schleudert Blitze und ist doch kein Gott."
"Du sagst es, er gleicht uns in nichts, und ist doch mörderisch."
Sie peitschte mit dem Schwanz und löste einen Sandsturm aus.

"Er könnte seine Seele überall niederlassen. Warum tut er es nicht?"
"Er könnte Paradiese schaffen. Warum tut er es nicht?"
"Er ist sterblich. Warum glaubt er es nicht?"
"Er ist wie er ist."
"Vielleicht sollten wir ihn fressen?"
Sie räkelte sich wohlig, fuhr nachdenklich ihre Krallen aus und zog sie wieder ein.
"Besser nicht, sonst werden wir so verrückt wie unsere arme Schwester."
"Er soll scheußlich schmecken."

"Wenn er sich und die Seinen zerstört - was kümmert das die Welt?"
"Wenn er die Welt zerstört, was kümmert das das Universum?"
"Nichts, aber er hat das Universum in sich."
"Dann besteht Hoffnung."
"Wir haben ihm schon so lange Fragen gestellt."
"Die Antwort darauf kennt er mittlerweile."
"Wie lange sollen wir damit fortfahren?"
"Er ist wie unsere Jungen, die wir lange geduldig lecken müssen, ehe sie die Augen öffnen."
"Also, lass uns noch ein wenig dem Himmel lauschen."
"Ja, wir brauchen neue Fragen."
Sie schlossen die Augen und wurden unsichtbar.